Mirjam Kuhn fährt mit schweren Beinen zum Doppelsieg

veröffentlicht am 8. August 2017 15:36 Uhr

Mirjam Kuhn ist froh, in dieser Saison nicht für ein Team bei Mountainbike-Rennen zu starten. „Ich hatte mich zwar bei einem beworben, aber das hat nicht geklappt. Im Rückblick ist das gut. So kann ich fahren, was ich will“, erzählt die 19-jährige Jößnitzerin. Und das ist vieles. Egal, ob Downhill, Enduro oder Cross-Country, die junge Frau vom Vogtland-Bike-Verein ist auf dem Mountainbike in gleich mehreren Disziplinen zu Hause, und das auch erfolgreich.

Erst am Wochenende stellte sie das beim 25. Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen unter Beweis. Sowohl im Bergsprint als auch im Cross-Country-Rennen über 40 Kilometer lag sie bei den Frauen vorn – trotz schwerer Beine. In den Tagen zuvor war die 19-Jährige im Urlaub am Gardasee, wo jeden Tag Sport auf dem Programm stand. „Die beiden Wettkämpfe jetzt waren sehr anstrengend. Bei den 40 Kilometern bin ich bergab immer volles Risiko gefahren, um auf den ansteigenden Stücken ganz locker treten zu können“, sagt Kuhn, die im Mai bei der Deutschen Meisterschaft im Mountainbike-Enduro in Willingen Siebte wurde und vor wenigen Wochen bei der Trailtrophy auf dem Rabenberg als schnellste Frau ins Ziel kam.

Trotz dieser Erfolge will sich die Jößnitzerin nicht nur auf Rennen im Enduro-Bereich spezialisieren. Der Start beim Downhill-Cup in Thale im Harz Ende September ist fest eingeplant, eventuell geht es für sie vorher bereits zu einem Wettkampf auf den Keilberg. „Die Strecke dort ist richtig lang, das ist toll. Downhill fasziniert mich einfach“, erzählt die 19-Jährige. Mit ihrer Begeisterung für den Mountainbike-Sport scheint die junge Vogtländerin auch Christian Textor beeindruckt zu haben. Der Deutsche Enduro-Meister von 2016 und Sieger des German-Dowhnhill-Cups aus dem Vorjahr hat ihr zu ihrem neuen Rad verholfen. „Wir haben uns vergangenes Jahr bei der DM in Schöneck kennengelernt. Im Frühjahr haben wir zufällig zur gleichen Zeit in Wiehl trainiert. Und dort hat er mir angeboten, dass er mir über sein Team ein Rad zur Verfügung stellen kann. Das ist der Wahnsinn, ich war ja erst mal überhaupt erstaunt, dass er mich noch kannte“, so Kuhn. Textor fährt für das Bulls-Gravity-Team, dem die Jößnitzerin jetzt von ihren Rennen berichtet und für das sie sozusagen ehrenamtlich als Markenbotschafterin unterwegs ist.

Werbung macht die Vogtländerin bald auch für den Freistaat Sachsen. Für die Kampagne „So geht Sächsisch“ war sie im Juli für Filmaufnahmen mit einem E-Mountainbike unter anderem am Blauenthaler Wasserfall bei Eibenstock unterwegs. Die Macher hatten bei ihrem Verein nach einem Gesicht für den Dreh angefragt. „Das war für mich eine komplett neue Herausforderung. Ich bin nämlich noch nie E-Bike gefahren“, erzählt die 19-Jährige, die ab September in Pirna eine Ausbildung zur Krankenschwester beginnt. Ihr neuer Arbeitgeber weiß bereits von Leidenschaft. „Sie haben mir gesagt, dass ich meinen Wettkampfplan abgeben soll und dann geschaut wird, wie sich das mit den Dienstplänen machen lässt“, sagt Mirjam Kuhn, die sich über die Hilfe von allen Seiten sehr freut. Von ihrem neuen Wohnort Dresden will sie auch versuchen, so oft wie möglich an den Stützpunkt nach Altenberg zu pendeln: „Dort ist mein Trainer. Da müsste ich nicht mehr so viel alleine trainieren wie jetzt.“

Fünf Podestplätze für Vogtland-Bike-Verein beim Erzgebirgs-Bike-Marathon

Mit zahlreichen guten Leistungen kehrten die Sportler vom Vogtland-Bike-Verein aus Seiffen zurück. Neben den Siegen von Mirjam Kuhn bei den Frauen im Bergsprint und über 40 km konnte sich der Verein auch über den Erfolg von Markus Werner freuen. Der für das Biehler-Factory-Racing-Team fahrende Grünaer gewann in seiner Altersklasse Senioren 1 über 70 km. Seine Zeit von 2:49,58 Minuten war die schnellste auf dieser Distanz überhaupt.

Vorn dabei war zudem der Nachwuchs der Vogtländer. Sowohl im Bergsprint (2. Platz) und über die 15-km-Strecke (3. Platz) schaffte es Louis Kessler auf der Podest. Auch Bruder Emil sowie die Vereinskameraden Leo Gräf, Vin und Nic Jeschke sowie Aaron Schmidt konnten mit Platzierungen unter den besten 15 ihrer Altersklassen überzeugen.

Quelle. Freie Presse (Anika Heber)